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Aktuelles

Hier finden Sie aktuelle Informationen der Koordinierungsstelle St.Gallen

Aktuelles zum LCP in England

18.6.14

In den letzten Jahren stand in England der LCP immer wieder im Kreuzfeuer der Kritik. Insbesondere aus konservativ – religiösen Kreisen bestanden Zweifel an der Qualität des Inhalts und der Durchführung an dieser national empfohlenen Guideline. Aus diesem Grund beauftragte die englische Regierung ein unabhängiges Review- Board, welches im Juli 2013 einen sehr umfangreichen Bericht veröffentlichte. Von den 255 Beschwerden im Rahmen der Betreuung in der Sterbephase aus ganz verschiedenen Betreuungssettings betrafen nur 16 den LCP. Die unabhängige Kommission um die Baroness Julia Neuberger bescheinigt, dass es keinen Zweifel gibt, dass der LCP in den richtigen Händen in der Sterbephase eine hohe Betreuungsqualität und mitfühlende Betreuung ermöglicht. Hingegen dort, wo der LCP unsorgfältig umgesetzt wurde (insbesondere durch das Fehlen von kompetenten Fachpersonen), hätten wenige aber schwere Fälle von unakzeptabler Betreuung konstatiert werden müssen. Die Kommission fasst deshalb konklusiv zusammen: „more care, less pathway“. Sie empfiehlt unter anderem, den LCP über die kommenden 12 Monate in seiner Eigenart als relativ strikt vorgegebenen Behandlungs- Pathway abzulösen und durch einen individuellen Betreuungsplan, ergänzt mit den bisherigen, fachspezifischen Richtlinien zu ergänzen. Gleichzeitig spricht sie sich dafür aus, den Titel „Liverpool Care Pathway“ zu verlassen, und durch einen neuen Namen zu ersetzen.

 

Was heisst dies für den deutschsprachigen Raum? Aus unserer Sicht gibt es keinen Grund, das hilfreiche, interprofessionelle Vorgehen inhaltlich zu ändern bzw. zu verlassen. Zu verbessern hingegen ist die Dokumentation sowie das administrative Vorgehen. Der LCP ist eine evidenzbasierte Handlungsanleitung für kritische Situationen, wie wir sie in der Medizin und Pflege aus ganz verschiedenen Bereichen gut kennen. Die Kompetenz der Anwender allein entscheidet über Zeitpunkt, Dauer und Art der Anwendung. Der LCP ist keine Einbahnstrasse zum Sterben, sondern eine gemeinsame Orientierungshilfe – nicht mehr, nicht weniger. Dazu gehört auch eine verringerte Formalisierung bei der Dokumentation, was eine leichtere Integration in institutionseigene Vorgehensweisen und Dokumentationssysteme erlaubt.

 

In der internationalen Kollaboration wurden die Empfehlungen durch die Kommission begrüsst. Für die Zukunft wird das Augenmerk auf mehr Sicherheit in der Anwendung durch vermehrte Schulung und auf verbesserte Kommunikation und Transparenz gerichtet.

 

Die deutschsprachige Kollaboration mit den Hauptverantwortlichen in St.Gallen und Köln wird weiterhin zur inhaltlichen Weiterentwicklung des Behandlungsplans für Sterbende und ihre Angehörigen sowie zur besten Koordination zwischen den beteiligten Institutionen beitragen. Bereits bestehende Schulungsprogramme sollen vermehrt genutzt, etabliert und koordiniert werden. Ein neuer Name für weniger formalisiertes Vorgehen wird Ende 2014 durch die internationale Kollaboration definiert werden. Bis dahin begleiten wir unter dem Namen „Best Care for the Dying, BCD“ oder auf Deutsch: Leitlinie Sterbephase.



Meeting 2014 Deutschsprachige Arbeitsgruppe

Die deutschsprachige Arbeitsgruppe zum LCP traf sich am 03.04.2014 in Heidelberg.


Im Ergebnis eines Treffens von LCP-Aktiven in Deutschland am 10.01.2014 in Köln und des Meetings der International Collaborative "Best Care For The Dying" im November 2013 in Liverpool wurde die aktuelle Situation des LCP im deutschsprachigen Raum diskutiert und wichtige Beschlüsse für die weitere Entwicklung gefasst.

  1. Zentrales Ziel bleibt die Verbesserung der Versorgung sterbender Menschen in den letzten Tagen und Stunden ihres Lebens. Die Betreuungsangebote für Patienten und die Unterstützung ihrer Angehörigen sollen weiter auf der Grundlage der bisherigen Erfahrungen mit dem LCP verbessert werden ("more Care") und die notwendigen Formalien auf das beschränkt werden, was dem Erreichen dieses Ziels unmittelbar dient ("less pathway").
  2. Das Jahr 2014 stellt national und international eine Übergangszeit dar, in der für den deutschsprachigen Raum das LCP-Konzept inhaltlich weiterentwickelt wird und an die Rahmenbedingungen der jeweiligen nationalen Gesundheitssysteme angepasst wird. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit der "International Collaborative Best Care for the Dying"
  3. Inhaltliche Grundlage für die weitere Entwicklung sind 10 Kernprinzipien für die Betreuung sterbender Menschen, die sich aus der Arbeit mit dem LCP in den letzten Jahren entwickelt haben.
  4. Der Begriff "Liverpool Care Pathway - LCP" wird für den deutschsprachigen Raum zunächst bis zum Jahresende 2014 ersetzt durch "Best care for the dying - BCD / Leitlinie Sterbephase" In Abstimmung mit der internationalen Gruppe wird nach deren Treffen im Nov. 2014 in Lund (Schweden) über eine endgültige Bezeichnung im deutschsprachigen Raum entschieden. Das aktuell gültige Dokumentationsinstrument "LCP - Version 12" wird entsprechend überarbeitet und an die jeweiligen nationalen Rahmenbedingungen angepasst.
  5. Die Koordinierungsstellen in St. Gallen (Schweiz) und Köln (Deutschland) sind weiter Ansprechstellen zu Fragen der Umsetzung, Implementierung, Qualifizierung und Qualitätssicherung im Rahmen des BCD-Konzeptes. Sie stellen aktuelle Informationen und Dokumentationsgrundlagen zur Verfügung und sind die Schnittstellen zur International Collaborative.
  6. Eine Registrierung bei den nationalen Koordinierungsstellen für teilnehmende Institutionen ist weiterhin notwendig. Die Registrierung in Liverpool ist freiwillig und kann zur Nutzung des Webportals für ein base review bzw. eine post pathway Analyse genutzt werden. Die Nutzung dieser bisher noch kostenfreien Möglichkeiten wird aus Gründen der Qualitätssicherung sehr empfohlen.
  7. Die internationale Zusammenarbeit basiert auf der Grundlage des im Februar 2014 konsentierten Positionspapiers der "International Collaborative Best Care for the Dying", in dem auch die wesentlichen Aspekte rund um die Entwicklung des LCP in den letzten Monaten zusammengefasst sind.

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