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Was ist Palliative Care ?

Palliative Care, so der englische Ausdruck, hat gemäss der Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO zum Ziel, bei fortschreitenden, unheilbaren Erkrankungen das Leiden der Betroffenen zu lindern, die bestmögliche Lebensqualität zu sichern und ein Sterben in Würde zu ermöglichen.

Palliative Care heisst somit auf Deutsch übersetzt am ehesten: integrative Behandlung und Betreuung bei schwerer Erkrankung und am Lebensende. Selbstverständlich werden überall schwerkranke Menschen sehr kompetent und umfassend betreut. Nimmt allerdings die Anzahl und Stärke der einzelnen Probleme zu, dann übersteigt dies oft die (auch zeitliche) Kapazität der zuständigen Fachpersonen.

"Wenn es mir einmal schlecht geht, möchte ich keine lebensverlängernden Massnahmen."
"Die Schweiz somit ein Tummelplatz für den Sterbetourismus?"
"Wie stirbt man eigentlich bei Ihnen?"

Die Debatten um Sterbehilfe, mögliche Grenzüberschreitungen und die "teuren" Behandlungen bei Schwerkranken beherrschen immer mehr die Medien. Der Ruf nach klarer Gesetzgebung und Regelung der Legalität nimmt hierbei wesentlich mehr Raum ein als die Diskussion um Hilfsangebote für Schwerkranke.
Es geht aber nicht um Sterbehilfe allein, sondern eigentlich viel mehr um Lebenshilfe in solch schwierigen Situationen. Und es geht nicht um das Sterben selbst als vielmehr um die Phase vor dem Sterben.

"Palliare" heisst, den Mantel um jemanden legen und das ist auch das Ziel eines Teams, welches mit seinem spezifischen ärztlichen, pflegerischen, psychologischen, körpertherapeutischen, sozialarbeiterischen oder seelsorgerischen Wissen und Können diesen "Mantel" bildet. International hat sich für diese spezifischen Problembereiche bereits ein immenses Wissen angehäuft und andere Gesellschaften (bspw. in Canada, Australien, England, Spanien etc.) verfügen heute bereits über vorbildliche Strukturen im Bereich der Palliative Care als fester Bestandteil des Gesundheitswesens. Obwohl am häufigsten in der Betreuung von Krebskranken mit weit fortgeschrittenem Leiden angewandt, ist dieses Wissen prinzipiell für alle weit fortgeschrittenen Erkrankungen hilfreich: auch bei Erkrankungen des Herzens, des Gehirns, der Nieren, der Nerven etc.

Solch ein Mantel hat aber nur Sinn, wenn er einerseits den Bedürfnissen der Betroffenen entspricht und andererseits sich an dem Ort entfaltet, wo die Betroffenen die für die jeweilige Situation beste Lebensqualität gewährleistet sehen. Bei manchen sehr komplexen Problemen (Schmerzen, Müdigkeit, Übelkeit, Schwäche, depressive Stimmung etc.) ist dann der "beste" Ort manchmal doch im Spital, für andere Menschen ist der beste Ort zu Hause oder im Pflegeheim.


Grundlagen

Als theoretische Grundlage von Palliative Care gilt das biopsychosoziale Modell nach Georg Engel. Ausserdem wird dieses Modell mit der Dimension des Spirituellen ergänzt.

Der Mensch besteht nicht nur aus verschiedenen Funktionsebenen und Teilen, sondern ist selbst Teil eines Systems. Der Paradigmenwechsel von der biomechanischen zur psychosozialen Medizin und Pflege ist zwingend. Die Anzahl und Arten der Probleme, die individuellen Prioritäten und Beeinflussbarkeiten können so erfasst, behandelt und im Verlauf beurteilt werden. Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist die Salutogenese. Die gesunden Anteile für die Planung sind sehr wichtig. Diese zu erkunden und Ressourcen wahrzunehmen, ist ein Kennzeichen der gemeinsamen Entscheidungsfindung und der weiteren Planung.

Dabei gibt es auch Raum für das Reden über das Sterben und den Tod, für Erinnerungen und "Aufräumarbeiten", aber jeweils nur soviel, wie die Betroffenen es wünschen. Das Sterben ist ein natürlicher Teil des Lebens - und so soll es auch als Bestandteil eines normalen Angebots für Kranke einen Platz ohne Tabus im Spitalbereich haben.


WHO-Definition
Palliative Care, d.h. Palliative Betreuung, ist ein Angebot, das sich an Menschen richtet, die sich mit einer lebensbedrohlichen, unheilbaren Krankheitssituation konfrontiert sehen. Es geht darum, die Lebensqualität von Patienten und ihren Angehörigen durch das Vorbeugen und Lindern von Schmerzen und anderen Krankheitsbeschwerden zu verbessern. Hierzu dienen das frühzeitige Erkennen, eine sorgfältige Anamnese und Behandlung von Schmerzen und anderen Problemen im physischen, psychosozialen und spirituellen Bereich.

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